Archiv für März 2011

Gedenken an Sliman Hamade

Am Samstag, den 5. März, fand in Berlin-Schöneberg eine Demonstration zum Gedenken an Sliman Hamade statt. Polizei- und Staatsgewalt immer wieder thematisierend zogen die bis zu 400 Demonstrationsteilnehmer_innen vor die Polizeiwache in der Hauptstraße und hielten dort nach einer Gedenkminute eine wütende Kundgebung ab.

Während der Demonstration kam es zu Ereignissen, über deren Konsequenzen weiter zu diskutieren sein wird. So stießen die übereifrigen Ordner oder die zeitweise Teilnahme einer Gruppe unter anderem mit Thor Steinar-Kleidung vielen Teilnehmer_innen selbstverständlich auf. Die Demonstration mobilisierte ungewöhnlich breite Kreise, was in der Vorbereitung zu organisatorischen und inhaltlichen Missverständnissen führte. Einiges konnte während der Demonstration angesprochen und geregelt werden.

Das Bündnis, das die Demonstration organisiert hatte, bestand neben Verwandten Sliman Hamades aus linksradikalen und Menschenrechts-Gruppen sowie Angehörigen des vor mehr als zwei Jahren ebenfalls von Berliner Polizisten ermordeten Dennis J.
Nach einer Reihe von Veranstaltungen gegen Polizeigewalt im letzten Jahr und einer kraftvollen Demonstration Ende Januar war die Gedenkdemo ein weiterer Schritt in Richtung eines gemeinsam geführten Kampfes gegen staatliche und rassistisch motivierte Repression. Bis wir allerdings die Stärke besitzen, angemessen auf Staatsgewalt zu reagieren, sind noch viele weitere Schritte notwendig.

Wir als out of control werden weiterhin an diesem Prozess teilnehmen und rufen jede_n dazu auf, in diesem Kampf aktiv zu werden.
No justice: no peace!

Pressemitteilung des NoJusticeNoPeace-Bündnisses

Am 28.02.2010 wurde Slieman Hamade bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Schöneberg tödlich verletzt. Die Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt. Zum Gedenken an Slieman und mit der Forderung nach lückenloser Aufklärung seines Todes, rufen seine Familie und ein breites Bündnis auf, zur Demonstration:

In Gedenken an Slieman Hamade. Gemeinsam gegen Polizeigewalt in Berlin und Überall

Was war passiert?
Am frühen Morgen des 28.02.2010 alarmieren Slieman Hamades Eltern die Polizei. Sie wünschen sich Hilfe. Ihr Sohn kann nicht schlafen, die Musik der Nachbarn ist zu laut und er ist wütend. Seine Familie hat Angst, dass es Streit mit den Nachbarn gibt. Die Polizei kann Slieman Hamade nicht gegen seinen Willen mitnehmen. Als sein Vater sagt, Slieman könne nicht zu Hause bleiben, zerren ihn die Polizisten ins Treppenhaus und verletzen ihn beim Versuch der Fesselung. Er blutet im Gesicht. Ein Polizist versprüht Reizgas im gesamten Hausflur und schlägt Slieman Hamade brutal mit dem Schlagstock gegen die Beine. Das Gas ist überall, niemand kann die Wohnung verlassen, keiner kann helfen. Slieman Hamade schreit und schreit, aber plötzlich ist es still. Die anrückenden Sanitäter versuchen Slieman Hamade wiederzubeleben, aber er stirbt im Krankenhaus. Slieman Hamade wurde 32 Jahre alt.

Die Staatsanwaltschaft hat am 30.04.2010 die Ermittlungen gegen die Polizei eingestellt. Das haben Familie und Freund_innen nicht hingenommen. Durch ihren Kampf wurden die Ermittlungen im Februar 2011 wieder aufgenommen.

Die Familie und ein breites Bündnis rufen auf zur Demonstration: Gegen Polizeigewalt, gegen staatliches Töten, gegen Täterjustiz!

http://nojusticenopeace.blogsport.eu/

Demo gegen Polizeigewalt

Vor nun knapp mehr als einem Jahr wurde der Berliner Sliman Hamade bei seiner Festnahme von Polizisten getötet. Mit offensichtlich massiver Gewalt wurde er schon in Handschellen zu Tode misshandelt. Die Familie blieb bis vor kurzem weitgehend stumm angesichts des gewaltigen Staatsapparates, der sich selbst vor Bestrafung zu schützen weiß. Nun jedoch finden sich in Berlin immer mehr Menschen, die gemeinsam als Betroffene oder einfach nur solidarisch gegen Polizeigewalt arbeiten wollen. Motiviert durch die breite Solidarität mit den Angehörigen des an Silvester vor zwei Jahren ermordeten Dennis J. will ein Bündnis am 5. März in Berlin eine Demonstration zur Erinnerung an die Opfer von Polizeigewalt veranstalten.
Bereits vor mehreren Tagen kam es in diesem Zusammenhang zu Stürmungen von Läden durch die Berliner Polizei. In Schaufenstern aushängende Mobilisierungs-Plakate waren der Anlass von teils martialisch inszenierten Einsätzen der Kripo, die anscheindend mit allen Mitteln versucht, für die Demo verantwortliche Strukturen zu durchschauen.
Wir erteilen dem Polizeistaat eine Absage und rufen zur solidarischen Demonstration gegen Polizeiterror und tödliche Staatsgewalt auf! Kommt daher am 5. März um 17 Uhr zum U-Bahnhof Bülowstrasse in Schöneberg um den von Repression betroffenen den Rücken zu stärken und an all die Menschen zu erinnern, die im Kugelhagel gefallen, an Pfefferspray erstickt oder sonst wie von den Bullen umgebracht wurden!