Jörg Kronauer, Sebastian Wolff

Staatsprojekt Europa

Der Staat bildet noch immer die fundamentale Voraussetzung für die Stabilisierung der grundsätzlich widersprüchlichen und krisenhaften kapitalistischen Produktionsweise. Dabei ist dieser jedoch längst nicht mehr auf den Nationalstaat beschränkt. Gesellschaftliche und politische Akteure beziehen sich heute auf einen wesentlich breiter gefächerten Raum, dessen verschiedene Dimensionen von der globalen und supranationalen über die nationale, regionale und lokale bis hinunter zur Stadtteilebene reichen. Ebenso wie die Ökonomie hat auch die Ordnung des politischen Raums eine Differenzierung und Flexibilisierung erfahren, die durch sich überschneidende und überlagernde räumliche Dimensionen gekennzeichnet ist. In dieser „postnationalen“ bzw. „multiskalaren“ Konstellation kommt der europäischen Ebene von Staatlichkeit ein zunehmendes Gewicht in der Regulation der gesellschaftlichen Widersprüche zu.